Meisterhäuser in Dessau
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Geschichte der Meisterhäuser

Haus Moholy-Nagy/Feininger von Südosten aus gesehen ca. 1928
Foto: Lyonel Feininger (vermutlich)
Die Bauhausgemeinschaft und ihre Gäste

Klees Aussage von 1921, dass er die "verschiedenen Kräfte", die am Bauhaus wirken, und ihren "Kampf gegeneinander" bejahe, wenn sich ihre Reibung in Leistung" äußere, trifft auch auf die Dessauer Zeit zu. Die von Gropius forcierte "Hinwendung zur Industrie" bedeutete nicht die einseitige Abkehr von individuell unterschiedlichen Kunst-. Gestaltungs- und Lebenskonzepten. Nach Gropius' Weggang war es immer schwieriger, das Spektrum der Kräfte am Bauhaus in der Balance zu halten. Weder die Politisierung unter Hannes Meyer noch die sachlich-nüchterne Architekturbezogenheit von Ludwig Mies van der Rohe vermochten mehr die "verschieden gerichteten Kräfte" (Klee) zu einer Einheit zu überbrücken. Es war klar, dass all die damit verbundenen Spannungen gerade auch in der Meisterhaussiedlung eine Rolle spielen mussten, in der privates Familienleben, Kontakte mit verschiedensten Persönlichkeiten und Arbeit sich besonders eng verwoben.
Die Meisterhäuser waren nicht nur Orte bürgerlichen Familienlebens. In ihren Ateliers entstanden innerhalb weniger Jahre hochrangige Werke besonders der Malerei. Es waren vor allem die malenden und zeichnenden Bauhäusler Kandinsky, Klee, Moholy-Nagy, Feininger und Schlemmer und Albers, die in den Ateliers ihrer künstlerischen Tätigkeit nachgehen konnten. Nach Einrichtung der freien Malklassen wurden einige der Meisterhäuser auch Orte der Lehre. Und es gab die Malerin Julia Feininger sowie die Konzertpianistin Lily Klee. Lou Scheper wirkte als Farbgestalterin, Gertrud Arndt entwarf Textilien, Lucia Moholy war die damals wichtigste Fotografin des Bauhauses und Anni Albers sowie Gunta Stölzl waren Textilgestalterinnen ersten Ranges.
Viele Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft führte nach einem Besuch im Bauhausgebäude der Weg ebenso zu den Meisterhäusern. Ein guter Kontakt bestand zu den wichtigen lokalen Persönlichkeiten vom Oberbürgermeister Fritz Hesse über den Landeskonservator Ludwig Grote, den Musik- und Theaterleuten Franz von Hoesslin und Franz Hartmann bis zu Besuchen von Junkers-Ingenieuren und Unternehmern. Darüber hinaus besuchte ein illustrer Kreis Bauhaus und Meisterhäuser. Die Namen lesen sich wie ein internationales Who's Who der Moderne der 20er Jahre. Dazu gehören die Schriftsteller Ilja Ehrenburg und Tadeusz Peiper, die Tänzerin Gret Palucca, die bildenden Künstler Kasimir Malewitsch, Paul Gleizes, El Lissitzky, Naum Gabo, Amadée Ozenfant, George Grosz, Marcel Duchamp, Alfred Kubin, die Kunsthistoriker Adolf Behne, Walter Dexel, Will Grohmann, Sigfried Giedion, Rudolf Arnheim, Alois J. Schardt und Lu Märten, der Kunsthändler Albert Flechtheim, der Kunstpädagoge Hans Friedrich Geist, die Architekten Cornelius van der Vlugt, Bruno und Max Taut, Rudolf Häring, Gustav Schneck, Otto Häsler, Rudolf Bartning, Hendrik Petrus Berlage, Erich Mendelsohn, Arkadi Grigorewitsch Mordwinow, Max Berg, der Psychologe Hans Prinzhorn, der Philosoph Otto Neurath, der Filmemacher Dsiga Werthoff, die Musiker Bela Bartok, Paul Hindemith, der Dirigent Leopold Stokowski, der Chemiker und Farbtheoretiker Wilhelm Ostwald.

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